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Liebes-crems, Scharfmacher, Potenzstärker und Lockstoffe

Liebescrems: Ekstase aus der Tube
Zehntausendmal stöhnten und schnauften sie, zuckten und wanden sich. Zehntausendmal bekamen menschliche Versuchskaninchen einen Orgasmus. Mit wissenschaftlicher Akribie zeichneten der Frauenarzt William H. Masters und die Psychologin Virginia E. Johnson den Werdegang eines jeden Orgasmus auf. Sie hielten jede körperliche Reaktion fest, von der Befeuchtung der Genitalien über die Errötung der Haut bis hin zu den Schlägen des Herzens und den Kontraktionen des Afters. 1954 veröffentlichten sie ihre Arbeit über "Die sexuelle Reaktion" (Buchtitel), die seither Leitfaden jedes Sexualmediziners und -therapeuten ist. Virginia Johnsons und William Masters Laborbericht aus dem Reich der Sinne dokumentiert den körperlichen Ablauf, die Physiologie des Sexualakts, der demnach in vier Stufen einteilbar ist:
1. Es beginnt mit der Erregungsphase, in der die Voraussetzungen für den Beischlaf geschaffen werden. Die Klitoris schwillt an, die Vagina verlängert sich, der Genitalbereich wird feucht. Die Brüste werden voluminöser, die Warzen härter. Beim Mann erigiert das Glied und die Hoden verdicken sich.
2. Die Partner beginnen mit dem Liebesakt und kommen in die Plateauphase, eine Ebene höchster sexueller Spannung. Die Durchblutung des Scheideneingangs wird noch intensiver, füllt die Schamlippen und lässt sie wie eine Manschette den Penis umfassen. Die Haut rötet sich, der Busenumfang wächst weiter an. Auch Blutdruck und Herzfrequenz des Mannes steigen weiter.
3. Dann kommt der Höhepunkt, die Klimax, der Orgasmus. Das untere Scheidendrittel der Frau wird von heftigen Kontraktionen durchzogen.
4. In der Rückbildungsphase schrumpfen Genitalien und Brüste auf ihre Ausgangsgrösse zurück, normalisieren sich Puls und Blutdruck wieder.

Männer und Frauen durchlaufen diese vier Phasen mit einer verblüffenden Regelmässigkeit, die Männer aber in der Regel einen Tick schneller. Diese Entdeckung hat weitreichende Folgen, macht sie doch das Ideal des gleichzeitig erlebten Orgasmus zu einer Illusion. Und zeigt sie, dass viele Frauen um den Höhepunkt betrogen werden, weil ihre Partner schon längst in der Rückbildungsphase stecken, wenn ihre Klimax ansteht. Nur bei jedem dritten Fick erlebt die Frau einen Orgasmus, während "es" den Männern zu mindestens 99% kommt. Manche Frauen leiden darunter, dass ihnen die Krönung des Aktes so oft versagt bleibt, sind frustriert und niedergeschlagen, fühlen gelegentlich auch körperliche Beschwerden. Während des koitalen Gipfelsturms haben sich Blutdruck und Pulsschlag gesteigert und hat sich viel Blut im Unterleib angesammelt, der Schleimpfropf vor dem Muttermund aber wurde ebenso wenig abgestossen wie die Sekretion der Vorhofdrüsen begann. Eine physische Spannung bleibt, das Ventil hat versagt. Relativierend und beruhigend ist die Tatsache, dass Frauen den Geschlechtsverkehr teilweise völlig anders als die Männer erleben, dass sie ihn zu einem grossen Teil auch ohne Orgasmus als befriedigend empfinden. Ihr Empfindungsspektrum ist wesentlich breiter, sie reagieren viel flexibler als Männer, die vergleichsweise schmalspurig fühlen. Bei ihnen ist der Schwanz der einzige Lustempfänger.

Frauen hingegen erleben Sex am und mit dem ganzen Körper, sie brauchen nicht unbedingt den in der Scheide auf- und abgehenden Penis zum Orgasmus. Auch die Stimulation der Klitoris, der Schamlippen, des Vaginalvorhofs und mitunter der Brustwarzen kann sie zum Gipfel der Lust führen. Die orgiastische Potenz der Frau ist gross, dem ersten Orgasmus können etliche weitere folgen, die sich in der Intensität meist noch steigern. Ist der Orgasmus des Mannes mit einem Musikempfang in Mono und einem Filmerlebnis auf einem Fernsehschirm vergleichbar, dann ähnelt der einer Frau einem Stereo-Hifi-Genuss und einem Breitwand-Kino-Erlebnis. Das Hinterherhinken der Frau, ihre langsamere Erregungskurve ist keine biologische Tatsache, mit der man / frau sich abzufinden hat. Erwiesen ist, dass "es" Frauen ebenso schnell kommen kann wie Männern - wenn Sie "es" sich selbst besorgen, wenn sie masturbieren. Dann stimulieren sie ganz gezielt die erogensten Stellen, finden den genau richtigen Takt und Rhythmus.

Falsch wäre die Schlussfolgerung, dass sie besser als die Männer sind und sie eigentlich auf sie verzichten könnten. Unrichtig ist aber auch die Bemerkung, dass sie den Geschlechtsakt mit dem Mann offenbar so toll finden, dass sie ihn endlos ausdehnen wollen und deshalb ihren eigenen Orgasmus weit hinauszögern - bis es zu spät ist, bis der nicht so durchhaltestarke Penis abgespritzt hat. Dass aus dem Traum vom gemeinsam erlebten Orgasmus ein Trauma geworden ist, behauptet der Sexualpsychologe Ernest Borneman. Erfindet unterschiedlich verlaufende Erregungskurven überhaupt nicht schlimm - im Gegenteil: "Während der eine sich seiner Klimax nähert, befindet sich der andere oft auf dem Höhepunkt der Wachheit. Und während dieser sich seiner Klimax nähert, ist der erste oft wach und aktiv. Darin liegt alles andere als ein Defekt der Natur. Das bewusste Miterleben des Orgasmus eines geliebten Menschen ist eine der kostbarsten Erfahrungen der menschlichen Seele.

Ein Mann muss bis zum Augenblick des Orgasmus körperlich stimuliert werden. Denke deshalb lieber daran, ihm zu seinem Orgasmus zu verhelfen, statt zu versuchen, deinen eigenen mit dem seinigen zu synchronisieren. Denn in wenigen Minuten wird er dir deine Klimax geben." Hoffentlich ...

Wichtig ist, über die Empfindungen und die Wünsche beim Verkehren zu sprechen (aber nicht währenddessen, das würde den schönsten Fick kaputtmachen!). Das ist nicht immer einfach, hat man sich doch vielfach lange, viel zu lange, etwas vorgespielt, hat ekstatisch gekeucht, lüstern geflüstert und zufrieden geseufzt, obwohl es keinen Grund dafür gab, obwohl der Orgasmus so weit weg war wie ein Bier in der Sahara.

Eine auf dem Nachttisch deponierte und beim Ins Bett gehen aufgedrehte Tube einer Akt-Verlängerungscrem kann diese Sprachlosigkeit überwinden, kann das Verständnis für die Bedürfnisse des anderen schärfen und so tatsächlich zu einem einfühlsamen Miteinanderschlafen und zu einem orgiastischen Ende führen. Solche Salben haben natürlich auch eine medizinische Wirkung: Die für die Männer betäuben den Penis, die für die Frauen machen das Lustzentrum empfindlicher. Die Herrenmittel der einschlägigen Hersteller haben programmatische Namen: Von Inverma kommt die "Halbe Stunde Liebes-Creme" und "men stop-stop", Milan bietet "Corrige"-Crem und "Penis-Marathon"-Spray an, Uwe Harmonie stellt "LZ Langzeit-Creme", Honema "longtime männercreme" und Becker "Penisex 30-Minuten-Salbe" her.
"Jetzt können alle Männer ihren Orgasmus oft bis zu einer halben Stunde herauszögern", jubelt ein Anbieter. "Ein echter Sex-Arznei-Knüller, selbst für ältere Herren."

Diese Werbebotschaften richten sich besonders an jene Männer, denen ihr Orgasmus und ihr Erguss extrem schnell kommt. Ejaculatio praecox heisst dieser vorzeitige Samenerguss, der oft unmittelbar nach der Einführung des Penis in die Scheide erfolgt. Ein befriedigender Verkehr wird damit unmöglich, die Frau kommt nicht aufs Plateau, und für den Mann ist sein Praecox-Orgasmus auch nicht sonderlich lustvoll. Die Ejaculatio praecox ist vor allem ein Problem junger, unerfahrener Männer, ist ein Zeichen von Prüfungsangst und Lampenfieber.

Hier hilft in der Tat eine reizdämpfende Salbe, ebensogut aber auch ein übergezogenes Kondom. Eine noch bessere - und billigere - Möglichkeit ist der Start eines zweiten Versuchs. Dabei ist die Sensibilität des Penis herabgesetzt, und nun dürfte die Übernervosität seines Herrn ein gutes Stück abgebaut sein. Statt sich nach dem ersten Schnellschuss enttäuscht zur Seite zu drehen oder wieder aufzustehen, sollte sich das Pärchen weiterhin necken, lecken und anderweitig reizen und nach dem Wiedererstarken des Gliedes einen neuen Anlauf wagen. Übererregten Männern hilft vielfach auch die Masturbation vor dem eigentlichen Koitus.

"Mach die Tube auf, Liebling", mag manch ein gipfelstürmender Lover seiner erregungsmässig nachzottelnden Frau zukeuchen. Sie kann's auch wörtlich nehmen, sich aus einer der reichlich feilgebotenen Salbentuben bedienen. Deren Inhalt wirkt entgegengesetzt dem der Männerverlängerungscrems, er erhöht die Reizung der Genitalregion. Dadurch werden die Stösse und Reibungen des Schwanzes intensiver erlebt und führen zu einer schnelleren Orgasmus-Auslösung. Produktbeispiele sind: "Orgasmus-Creme" von Uwe Harmonie (Werbung: "Bringt traumhafte Lustgefühle in die Genitalzone der Frau"), "Itch Cream" von Milan ("Das sofort auftretende Wärmegefühl stärkt das Verlangen zum Liebesakt, der Orgasmus kommt durch den herrlichen Lustreiz fast von selbst"), "Clitorisex" von Becker ("Fördert durch verstärkte Durchblutung der Klitoris die Empfindungsfähigkeit"), "Kitzler-Glück" von Schäfer ("Macht Zartes noch zarter, Empfindsames noch empfindsamer") und "erekta prompt für die Frau" von Inverma ("Steigert das Lustgefühl der Frau, die Skala reicht von "Hingebungsvoll" bis "Ekstase"").

Neben den reiz-vollen Hauptbestandteilen enthalten die Crems durchweg zusätzliche Duft- und Schmierstoffe, um die erotische Ausstrahlung der Vaginalpforte und des Kitzlers zu erhöhen und um das Hineingleiten des Penis zu erleichtern. Manchmal scheitert die Befriedigung der Frau daran, dass sie beim Lieben Beschwerden spürt, dass es einfach rein körperlich nicht richtig flutscht. Als Abhilfe empfiehlt sich eine Reihe wirksamer Gleitmittel: Zum Beispiel "Steriloform-Gleitcreme", "Pussy Glide", "Flutschi" oder "Glitschi" - nomen est omen. Diese nicht fettenden, teils mit anregendem Moschus oder Ambra und aufregenden Pheromonextrakten versetzten Crems sind bei zu geringer Scheidenfeuchtigkeit, beim Analverkehr und bei der Benutzung von Dauerpräservativen, Kunstgliedern, Klistieren und ähnlichem unerlässlich. Gut geeignet und entsprechend verbreitet sind auch "K-Y"-Gel und Vaseline.
besonders zärtliche Stunden", steht auf der Schachtel. "Creme 69 mit ihrer erotisierenden Duft- und Geschmacksnote fordert die Zunge zu noch zärtlicherem und hingebungsvollerem Intimverkehr auf." Erhältlich ist sie in drei Geschmacksrichtungen: Pfefferminz, Banane und Erdbeere. Da seufzt der Cunnilingeur: Ich bin so wild nach deiner Erdbeervagina ... Wer beim Lecken lieber Kirsche oder Ananas schlecken möchte, kann sich aus dem heimischen Marmeladetopf bedienen - und das Ganze mit einem Sahnehäubchen krönen: Hmmm, lecker!

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